Laut dem neusten Bericht des Londonder Clearingshauses LCH ist der Yuan auf dem besten Weg, den Yen im Währungsoptionshandel zu übertreffen. Dies setzt ein bedeutendes Zeichen für die zunehmende Akzeptanz der chinesischen Währung im globalen Handel.
Während das britische Pfund seine Position zu halten scheint, ist es wahrscheinlich, dass die Währung über ihm (der Yen) und unter ihm (der Yuan) zukünftig die Plätze tauschen.
Doch wie kommt diese Verschiebung zustande? Und was bedeutet sie für die globale Wirtschaft und potentielle Investoren? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was sie zum Kopf-an-Kopf-Rennen von Yen und Yuan wissen müssen.
Devisenmarkt und Währungsoptionshandel – Was ist das?
Bevor wir über die Veränderungen im Devisen- und Währungsoptionshandel sprechen können, ist es wichtig zu verstehen, was es mit diesen auf sich hat.
Als Devisenmarkt oder auch „Forex“ wird der globale Markt bezeichnet, auf dem ausländische Währungen paarweise gegeneinander getauscht und gehandelt werden. Spekulationen betreffen hierbei die tatschliche Kursbewegunug der Währungspaare.
Währungsoptionshandel, auch „FX-Optionshandel“ genannt, ist eine Handelsstrategie, die im Devisenhandel genutzt wird. Er umfasst sogenannte „Finanzderivate“ (komplexe Finanzinstrumente), die das Recht, aber nicht die Pflicht verbriefen, ein Währungspaar zum einem festgelegten Kurs und Datum zu tauschen. Händler wetten hierbei auf steigende (Call-Optionen) oder fallende Kurse (Put-Optionen), um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern. Es ergeben sich hohe Gewinnchancen, aber auch ein hohes Risiko, welches bis zum Totalverlust des Einsatzes reichen kann.
In der Finanzwelt gilt der Währungsoptionshandel als Gradmesser für die Relevanz einer Währung. Wird am Devisenmarkt häufig auf eine Währung gesetzt, gilt diese als vertrauenswürdig.
Macht, Zinspolitik und Diversivizierung – Gründe für den Forex-Wandel
Doch wie kommt es nun, dass der Yuan gegenüber dem Yen offensichtlich an Attraktivität auf dem Devisenmarkt gewonnen hat? Warum scheint der Yuan plötzlich vertrauensvoller?
Der Wandel kann vor allem durch drei große Faktoren erklärt werden:
- Chinas wachsende Macht im Welthandel
- Starke Unterschiede in der Zinspolitik der Zentralbanken von China und Japan
- Ein wachsendes Bedürfnis nach Unabhängigkeit vom US-Dollar
Im folgenden gehen wir auf jeden dieser Gründe genauer ein.

China der „Handels-Gigant“
Dass der Yuan den Yen langsam aber sicher auf dem Forex überholt hat unter anderem mit der steigenden Relevanz von China als globalem Handlungspartner zu tun. Der Yuan wird immer häufiger direkt für den Kauf und Verkauf von Waren genutzt. Entsprechend haben Unternehmen weltweit ein steigendes Interesse, sich gegen Schwankungen des Yuans abzusichern.
Wie wir oben bereits erklärt haben, bietet der Währungsoptionshandel eine Art Versicherung gegen diese Schwankungen. Je mehr realer Handel in Yuan stattfindet, desto stärker wird die „Versicherungen“ nachgefragt und desto mehr Devisen werden entsprechend gehandelt.
Gut zu wissen:
Die zunehmende Bedeutung des Yuans auf dem Weltmarkt macht ihn nicht nur Devisenhandel besonders relevant, sondern erhöht auch seine Chancen, zukünftig als „Leitwährung“ zu gelten. Dies wäre der Fall, wenn der Yuan in der Weltwirtschaft und im internationalen Zahlungsverkehr über Währungsräume hinweg umfassend als Transaktions- und Reservewährung genutzt wird, obwohl die Zahlungen auch in der Inlandswährung getätigt werden könnten. Im Moment fällt dem US-Dollar diese Rolle zu.
Allerdings galt in der Vergangenheit bereits eine chinesische Währung als Leitwährung – Der Liang, welcher im 19. Jahrhundert schrittweise vom Yuan abgelöst wurde. Es bleibt abzuwarten, ob der Yuan mit seiner zunehmenden Bedeutung im Währungsoptionshandel irgendwann in die Fußstapfen seines Vorfahren treten wird.
Carry-Trades und die Zinsschere
Doch nicht nur im direkten Handel hat der Yuan die Nase vorn. Auch als Carry-Trade-Währung wird er gegenüber dem Yen zunehmend relevanter. Dies hängt vor allem mit den unterschiedlichen Zinspolitiken der Zentralbanken von China und Japan zusammen und stellt den technischen Haupttreiber für die Entwicklung am Devisenmarkt dar.
Beim “Carry-Trade“ handelt es sich um eine Handelsstrategie, bei der Anleger Geld in einer Währung mit niedrigem Zinssatz leihen und in eine Währung mit hohem Zinssatz investieren, um von der Zinsdifferenz zu profitieren. Ziel ist es, die Zinsdifferenz (den „Carry“) als Gewinn zu vereinnahmen. Die größte Gefahr stellen hierbei die Wechselkurse dar.
Aber was genau hat der Carry-Trade nun mit der steigenden Nachfrage des Yuan auf dem Forex zu tun? Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns die Zinspolitiken von China und Japan anschauen.
Bisher galt der Yen jahrelang als die Währung mit den niedrigsten Zinsen weltweit. Entsprechend haben Investoren sich diesen billig geliehen, um anschließend im Sinne des Carry-Trades in profitablere Währungen zu investieren. Dies änderte sich, als die japanische Zentralbank anfing, die Zinsen langsam anzuheben. Der Yen wurde dadurch als Carry-Trade-Währung zunehmend unattraktiver und entsprechend seltener als Devise gehandelt.
Der Yuan stellt einen guten Kandidaten für die nächste große Carry-Trade-Währung dar, weil er im Vergleich zum Yen als potentiell resistenter gegen diese Art Zins-Schock gilt. Einerseits, weil an Yuan-Carry-Trades hauptsächlich Exporteure und multinationale Unternehmen und weniger Spekulaten beteiligt sind. Andererseits und vor allem aber wegen Pekings lockerer Geldpolitik. Im Gegensatz zur Bank of Japan befindet sich die People’s Bank of China (Chinas Zentralbank) in einer Lockerungsphase. Die Zinsen werden eher gesenkt, als angehoben, was den Yuan sehr attraktiv für Carry-Trades macht.
Geopolitik im Sinne der Diversifizierung
Nicht zuletzt ist es bei globalen Entwicklungen wie dem Devisenhandel natürlich auch wichtig die Zusammenhänge verschiedener Länder und entsprechend ihrer Währungen zu betrachten.
Die politischen Entwicklungen in den USA sorgen bei vielen Ländern am Devisenmarkt für Unsicherheit. Überall auf der Welt (besonders in den BRICS-Staaten und dem globalen Süden) steigt deshalb der Wunsch nach Unabhängigkeit von der US-amerikanischen Wirtschaft.
Traditionell gilt der Yen allerdings als enger Verbündeter des Dollars. Entsprechend hoch ist das Bedürfnis der Investoren, sich im Währungsoptionshandel vom Yen zu distanzieren. Der Yuan bietet eine Alternative als Devise. Das britische Pfund wird bereits anvisiert.
Auswirkungen der Änderungen am Devisenmarkt auf die globale Wirtschaft
Bezogen auf den breiten wirtschaftlichen Kontext kann festgehalten werden, dass die Entwicklungen des Yuan im Devisen- und Währungsoptionshandel im Einklang mit Chinas umfassender Wirtschaftspolitik stehen. Die chinesische Regierung liberalisiert ihre Finanzmärkte und fördert ausländische Investoren, um den Yuan als globale Reservewährung zu etablieren.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Aufstieg des Yuan mit einem Wandel in den Marktdynamiken des Währungshandels einhergehen. Für Aktionäre ergeben sich neue Handels- und Investitionsmöglichkeiten für Devisen mit hohen Wertschöpfungschancen, durch die es sich lohnt, die Trends zu beobachten.
Gleichzeitig könnte die erhöhte Yuan-Nachfrage eine Aufwertung der Währung begünstigen, so wie es vorher beim Yen der Fall war. Allerdings ist der Umgang mit dem Aufwertungsdruck ihrer Währung in Peking bereits in der Vergangenheit sehr komplex gewesen. Eine Stärkung des Yuans könnte nämlich der chinesischen Exportwirtschaft schaden, da die chinesischen Waren so auf dem Weltmarkt teurer werden würden. Auch in früheren, ähnlichen Situationen hat Peking deshalb auf strenge Kontrolle und das Abwerten des Yuan gesetzt.
Sollte sich die chinesische Wirtschaft deutlich verbessern, könnte dies außerdem zu einer zusätzlichen Stärkung des Yuan führen und weitere Veränderungen auf dem Forex herbeiführen.
Insgesamt ist zu erwarten, dass die Bedeutung des Yuans in der globalen Wirtschaft weiter zunehmen und seine Rolle sich stetig weiterentwickeln wird.
Empfehlungen für Investoren
Der Aufstieg des Yuan auf dem Devisenmarkt öffnet neue Türen, verlangt von Anlegern aber auch ein geschärftes Risikomanagement. Für Investoren ergeben sich folgende Strategien:
- Yuan als neue Carry-Trade-Alternative prüfen: Da Japan die Zinsen tendenziell anhebt und China seine Geldpolitik lockert, sollten Investoren den Yuan für Carry-Trade-Strategien genauer unter die Lupe nehmen. Er bietet derzeit das Potenzial für stabilere Zinsdifferenzen als der Yen.
- Währungsabsicherung (Hedging) ausbauen: Unternehmen und Investoren, die direkt im China-Geschäft aktiv sind, sollten die wachsende Liquidität am Währungsoptionsmarkt nutzen. Die steigende Relevanz des Yuan macht Absicherungsgeschäfte gegen Wechselkursrisiken effizienter und liquider.
- Geopolitische Diversifikation umsetzen: Wer sein Portfolio bewusst vom US-Dollar und dessen Verbündeten entkoppeln möchte, findet im Yuan ein immer reiferes Instrument, um im globalen Süden und den BRICS-Staaten zu diversifizieren.
- Pekings Interventionen einkalkulieren: Investoren sollten nicht blind auf eine massive Aufwertung des Yuans wetten. Die chinesische Zentralbank neigt dazu, den Wechselkurs streng zu kontrollieren, um die heimische Exportwirtschaft zu schützen. Währungswetten erfordern hier extrem viel Fingerspitzengefühl.
Fazit
Was auf den ersten Blick wie ein trockenes Zahlenspiel unter Banken wirkt, ist in Wahrheit ein echtes Beben in der Finanzwelt: China holt im weltweiten Devisenhandel im Vergleich zu Japan massiv auf. Weil die japanische Zentralbank ihre Zinsen erhöht, leihen sich Großanleger ihr Geld nun lieber in China, wo das Geldguthaben durch niedrigere Zinsen billiger zu haben ist. Zudem wollen viele Länder und Unternehmen weltweit unabhängiger von den USA und dem US-Dollar werden – und da kommt der chinesische Yuan als Alternative gerade recht.
Für uns bedeutet das: Die Wirtschaftswelt wird vielfältiger und verlässt sich nicht mehr nur auf den Westen. Wer sein Geld international anlegt, findet in China neue Chancen, muss aber auch vorsichtig sein: Im Gegensatz zu westlichen Ländern redet die chinesische Regierung bei ihrer Währung sehr stark mit und lenkt den Kurs so, wie es der eigenen Wirtschaft gerade am besten passt.

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