Für ein bestimmtes Ziel oder einen Notgroschen zu sparen kann so kompliziert sein – es sei denn man kennt die richtigen Methoden.
Wenn Sie jemals an einem Samstagabend zu Hause geblieben sind, weil Sie sparen wollten, Ihre Urlaubsausgaben in tägliche Umschläge aufgeteilt haben oder versucht haben, ein Wochenende ohne jegliche Ausgaben zu überstehen, haben Sie bereits einen viralen Geld-Trend ausprobiert – ob Sie es wussten oder nicht.
Social Media hat das Budgetieren zu Content gemacht, und fast 7,7 Millionen von uns haben bereits finanzielle Ratschläge von einem Influencer angenommen, so eine Studie von TransUnion.
Aber bevor Sie Ihre Geldgewohnheiten basierend auf den Worten einer Social-Media-Persönlichkeit ändern, ist es wichtig zu überlegen, was für Ihre eigene Situation tatsächlich funktioniert. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die größten viralen Geld-Trends und prüfen gemeinsam mit verschiedenen Finanz-Experten, ob sie etwas taugen.
- Social Media bietet verschiedene kreative Ideen, um Geld zu sparen.
- Die viralsten Trends sind Loud Budgeting, No-Spend-Weekends, Cash Stuffing, die 50/30/20-Regel und Reverse Budgeting.
- Damit ein Trend funktionieren kann ist es wichtig, ihr Ausgabeverhalten und ihre finanziellen Mittel zu bedenken.
- Überlegen Sie sich im Vorhinein, welche Trends zu Ihnen passen könnten.
- Trauen Sie sich, es einfach auszuprobieren!
Loud Budgeting (Lautes Budgetieren)
Loud Budgeting bedeutet im Prinzip einfach, offen über Ihr Budget und Ihre finanziellen Grenzen zu sprechen. Zum Beispiel, indem Sie von vornherein klar kommunizieren, wie viel Sie für eine Gruppenreise ausgeben möchten, während diese sich noch in der Planungsphase befindet.
Oft geben wir Geld für Veranstaltungen aus, die wir lieber auslassen würden. Eine Untersuchung der Spar-App Spring ergab, dass die durchschnittliche Person bis zu 270 Euro für Ereignisse ausgab, an denen sie lieber nicht teilgenommen hätte.
„Loud Budgeting kann helfen, den Ausgabendruck ein wenig zu verringern und es einfacher machen, auf Kurs zu bleiben“, sagt Derek Sprawling, Savings Director der Parahon Bank und Head of Money bei Spring.
Einen sozialen Plan abzusagen oder Grenzen für Ausgaben zu setzen, weil man für etwas anderes spart, kann einem im Zweifelsfall viel leichter fallen, als einfach nur zu sagen, dass man nicht mitkommen kann, weil man es sich nicht leisten kann.
Es kann Ihnen auch helfen, an Ihren Sparzielen festzuhalten. „Wenn Menschen offen mit ihren finanziellen Zielen umgehen, ist die Wahrscheinlichkeit oft größer, dass sie auch dabei bleiben“, sagt Vix Leyton, Expertin für Verbraucherfinanzen bei Think Money.
Taugt es was? – Der Spartipp „Loud Budgeting“ ist grundsätzlich sinnvoll, vor allem aus psychologischer und sozialer Sicht. Er wirkt weniger durch komplizierte Finanzstrategien, sondern eher durch Verhaltensänderung: Wenn Sie offen kommunizieren, was Sie sich leisten wollen oder nicht, reduzieren Sie sozialen Druck und erleichtern es sich so, an Ihren Zielen festzuhalten.
No-Spend Weekends (Ausgabenfreie Wochenenden)
Ein Wochenende ohne Ausgaben ist „das finanzielle Äquivalent zu einer Crash-Diät“, sagt Clare Stinton, leitende Analystin für persönliche Finanzen bei Hargreaves Lansdown. „Es ist keine langfristige Lösung, aber es kann ein nützlicher Reset sein. Je weniger Sie ausgeben, desto schneller können Sie Geld freimachen, um Ihre Ziele zu erreichen.“
Aber was genau ist ein ausgabenfreies Wochenende? Die Idee dahinter ist, den Geldbeutel wegzupacken und kostenlose oder kostengünstige Wege zu finden, um seine Zeit zu verbringen. Es könnte bedeuten, Freunde zu Hause zu treffen anstatt auszugehen, die lokale Umgebung zu erkunden oder bestehende Mitgliedschaften zu nutzen, die man vergessen hatte.
Es geht „einfach darum, bewusster wahrzunehmen, wohin das Geld verschwindet“, sagt Leyton. „Der Schlüssel ist, es als eine kreative Herausforderung und nicht als Bestrafung zu betrachten. Mit klaren Grenzen und einem definierten Zeitrahmen können diese Spar-Herausforderungen Augen öffnend sein, ohne unrealistisch zu werden.“
Wenn man es jedoch zu restriktiv angeht, kann es – wie bei einer Crash-Diät – passieren, dass man nach dem Wochenende ins andere Extrem verfällt, zu viel ausgibt und sich von mehr Geld trennt, als man eigentlich gespart hat.
Taugt es was? – No-Spend Weekends sind kurzfristig sinnvoll, sollten aber mit Maß eingesetzt werden. Gerade weil der Alltag oft von kleinen, unüberlegten Ausgaben geprägt ist, wirkt ein „Reset“ oft überraschend stark. Die Schwäche liegt jedoch klar in der Nachhaltigkeit. Drastische Maßnahmen sind häufig schwer durchzuhalten.
Cash Stuffing (Bargeld-Umschläge)
Cash Stuffing ist ein visuelles Hilfsmittel, das Ihnen helfen kann, sich an ein Budget zu halten. Sie heben Ihr wöchentliches Budget am Geldautomaten ab und stecken das Geld in verschiedene Umschläge für unterschiedliche Ausgabenkategorien – wie Lebensmittel oder Ausgehen. Wenn der Umschlag leer ist, müssen Sie aufhören, Geld für diese Kategorie auszugeben.
„Wenn Sie Schwierigkeiten haben zu sehen, wohin Ihr Geld fließt, und einen zusätzlichen Grund brauchen, um mit dem Geldausgeben aufzuhören, kann das nützlich sein“, sagt Sarah Coles, Leiterin für persönliche Finanzen bei AJ Bell. „In einer zunehmend bargeldlosen Gesellschaft ist es jedoch nicht immer praktisch, und Bargeld abzuheben und es zu Hause herumliegen zu lassen, kann ein Sicherheitsproblem darstellen.“
Eine bessere Option könnte sein, Ihre Banking-App zu nutzen, um das Geld in virtuelle „Töpfe“ aufzuteilen und es auf diese Weise zu verwalten. Dies können Sie unter anderem mit Banken wie Monzo, NatWest und Revolut tun.
Taugt es was? – Cash Stuffing ist ein effektiver, aber etwas altmodischer Spartipp. In der heutigen Zeit bieten digitale „Töpfe“ in Banking-Apps meist eine ähnlich gute, aber bequemere Alternative.
Die 50/30/20-Regel
Sie ist keineswegs neu, aber diese Budgetierungsregel wird dank Social Media zum Geld-Trend. „Die 50/30/20-Regel ist ein gutes Beispiel für einen Trend, der wirklich hilfreich sein kann“, sagt Sprawling.
Es ist eine einfache Idee: Sie legen 50 Prozent Ihres Einkommens für lebensnotwendige Dinge beiseite, 30 Prozent für Spaß und 20 Prozent fließen in Ihre Ersparnisse.
So einfach die Idee allerdings auch klingt, ist sie heutzutage häufig schwer einzuhalten. Aufgrund der drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten kann es sein, dass 50 Prozent Ihres Einkommens möglicherweise nicht alle lebensnotwendigen Ausgaben decken In diesem Fall kann die Regel in sich zusammenfallen.
„Das kann das Gefühl erzeugen, dass die Leute beim Budgetieren irgendwie versagen, obwohl eigentlich die Lebenshaltungskosten das Problem sind und nicht zwingend ihr finanzielles Verhalten“, sagt Leyton.
Taugt es was? – Die 50/30/20-Regel ist ein sehr sinnvoller und leicht verständlicher Leitfaden, um ein gesundes Gleichgewicht zwischen Fixkosten, Lebensqualität und Vermögensaufbau zu finden. Die aktuellen Entwicklungen könnten es jedoch nötig machen, die Prozentwerte flexibel an Ihre persönliche Realität anpassen.
Reverse Budgeting (Rückwärts-Budgetieren)
Auch bekannt als „Sich selbst zuerst bezahlen“, stellt Reverse Budgeting herkömmliche Sparpraktiken auf den Kopf. Anstatt das zurückzulegen, was am Ende des Monats übrig bleibt, überweisen Sie am Zahltag oder am Anfang des Monats einen festgelegten Betrag auf Ihr Sparkonto. Eine längerfristige Alternative wäre außerdem, das Gesparte als Tagesgeld anzulegen und zusätzlich Zinsen zu sammeln.
„Indem man Ersparnisse zur gleichen Zeit wie Rechnungen überweist, behandeln Menschen ihre zukünftigen Ziele als Priorität und nicht als Nebensache“, sagt Leyton.
Dies kann auch ein nützlicher Trend sein, da er das Sparen automatisiert. Wenn Sie nicht darüber nachdenken müssen, wird es zur einfachen Gewohnheit, Geld für die Zukunft beiseitezulegen.
Taugt es was? – Reverse Budgeting ist äußerst sinnvoll und gehört zu den effektivsten Methoden für einen erfolgreichen Vermögensaufbau. Indem Sie sich selbst zuerst bezahlen, machen Sie das Sparen zu einer verbindlichen Priorität und behandeln Ihre Zukunftziele wie eine feste Rechnung, anstatt unregelmäßige Reste am Monatsende zurückzulegen.
Fazit
Die Fülle an Geld-Trends kann im ersten Moment verwirrend wirken. Allerdings kann es sich sehr lohnen, ihnen eine Chance zu geben. Besonders wenn es Ihnen schwer fällt, ihre Sparziele einzuhalten, ist es einen Versuch wert. Überlegen Sie, welche Methode Sie am meisten anspricht und probieren Sie sie einfach einmal aus! Klug angewandt kann jeder dieser viralen Geld-Trends ein nützlicher Ausgangspunkt sein, um Ihre Finanzen zu verbessern.
„Das Ausprobieren von Trends baut vielleicht keine langfristige Resilienz auf, aber es kann Inspiration wecken, Ihr Denken herausfordern und Sie dazu bringen, sich mehr mit Ihrem Geld zu beschäftigen. Verwechseln Sie sie nur nicht mit einem Ersatz für Beständigkeit und einen klaren, strukturierten Plan“, schließt Stinton.
Bildquelle: Bastian Riccardi (©pixabay.com)

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