Die französische Online-Bank BforBank drängt mit attraktiven Zinsen und einem modernen App-Konzept auf den deutschen Markt. In Zeiten, in denen Sparer händeringend nach stabilen Renditen für ihr Erspartes suchen, verspricht die Tochter der Crédit Agricole eine unkomplizierte Lösung.
Doch wie schlägt sich die Direktbank im Vergleich zu etablierten Playern? Wir haben das Angebot, die Sicherheit und die tägliche Handhabung für Sie detailliert analysiert.
Vorteile BforBank
- Hoher Aktionszins auf das Tagesgeld für Neukunden
- Komplett kostenlose Kontoführung (BforBasic Modell)
- Inklusive virtueller oder physischer Visa-Debitkarte
- Hohe Sicherheit durch die französische Einlagensicherung (100.000 €)
- Schnelle, rein digitale Depoteröffnung innerhalb weniger Minuten
- Keine Mindestanlage erforderlich
Nachteile BforBank
- „Mobile-Only“: Verwaltung ausschließlich über die Smartphone-App
- Zinsberechnung nach dem französischen „Quinzaines“-Prinzip (Wertstellung alle 15 Tage)
- Steuerliche Komplexität: Kapitalertragsteuer wird nicht automatisch abgeführt
- Verknüpfung mit einem Girokonto bei der BforBank zwingend erforderlich
- Support teilweise nur verzögert erreichbar
Wer steckt hinter der BforBank? Ein Blick auf die Muttergesellschaft
Die BforBank ist keine unbekannte Größe im europäischen Finanzsektor. Gegründet im Jahr 2009 in Paris, fungiert sie als die spezialisierte Online-Tochter der Crédit Agricole. Die Crédit Agricole ist nicht nur eine der größten Bankengruppen Frankreichs, sondern zählt auch weltweit zu den finanzstärksten Instituten.
Für deutsche Kunden ist dieser Hintergrund ein entscheidendes Sicherheitsmerkmal. Während viele FinTechs oft nur über begrenzte Eigenmittel verfügen, steht hinter der BforBank ein etabliertes Banken-Schwergewicht. In Frankreich bietet das Institut ein vollwertiges Sortiment von Versicherungen bis hin zu Immobilienkrediten an. Für den deutschen Markt hat man sich jedoch zunächst auf ein schlankes Angebot aus Tagesgeld und Girokonten konzentriert, um den Einstieg so einfach wie möglich zu gestalten.
Das Herzstück: Das Bfor+ Tagesgeldkonto
Das Bfor+ Tagesgeldkonto ist aktuell das Zugpferd der Bank. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, die ihre Produkte über Zins-Marktplätze wie Weltsparen anbieten, tritt die BforBank hier direkt als Vertragspartner auf. Das bedeutet, Sie eröffnen direkt ein Konto bei der Bank selbst, was die Verwaltung für manche Sparer übersichtlicher macht.
Der Neukundenzins ist derzeit einer der wettbewerbsfähigsten am Markt. Sie erhalten 2,10% (für 12 Monate, dann 1,00%). Die 12 Monate bieten im aktuellen Marktumfeld eine willkommene Planungssicherheit. Zu beachten ist jedoch, dass nach Ablauf des Aktionszeitraums der variable Basiszins greift. Dieser liegt, wie auch hier, meist deutlich unter dem Lockangebot, weshalb aktive Sparer die Zinsentwicklung stets im Auge behalten sollten. Ein Vergleich mit anderen Instituten, wie beispielsweise unseren Bigbank Erfahrungen, zeigt, dass sich die Konditionen im europäischen Ausland oft auf einem ähnlichen, attraktiven Niveau bewegen.
Besonderheit: Die französische Zinsberechnung (Quinzaines)
Ein Punkt, der in vielen Erfahrungsberichten für Verwirrung sorgt, ist die Berechnungsmethode der Zinsen. In Deutschland sind wir eine tagesgenaue Verzinsung gewohnt. Die BforBank nutzt jedoch das in Frankreich übliche 15-Tage-Prinzip (Regel der „Quinzaines“).
Das bedeutet: Zinsen werden jeweils für Zeiträume vom 1. bis zum 15. eines Monats und vom 16. bis zum Monatsende berechnet. Einzahlungen werden erst zum Beginn der nächsten Periode verzinst. Wer also am 2. eines Monats Geld einzahlt, erhält erst ab dem 16. Zinsen darauf. Umgekehrt werden Auszahlungen bereits zum Ende der vorangegangenen Periode vom verzinsten Kapital abgezogen. Sparer sollten daher ihre Ein- und Auszahlungen idealerweise immer kurz vor dem 1. oder 16. eines Monats planen, um keinen Zinsverlust zu erleiden.
Girokonto als Basis: BforBasic und BforZen
Wer das Tagesgeld nutzen möchte, eröffnet bei der BforBank automatisch ein Girokonto mit. Hier stehen zwei Modelle zur Auswahl:
BforBasic: Komplett kostenlos, inklusive einer virtuellen Visa-Karte. Ideal für reine Sparer, die das Konto nur als Durchgangsstation für ihr Tagesgeld nutzen.
BforZen: Gegen eine geringe monatliche Gebühr (5 Euro im Monat) erhält man hier eine physische Karte und zusätzliche Vorteile bei Auslandseinsätzen.
Das Girokonto dient als Verrechnungskonto. Überweisungen von Ihrem externen Referenzkonto landen erst hier und müssen dann innerhalb der App auf das Tagesgeldkonto geschoben werden. Dieser Prozess ist zwar digital sehr einfach gelöst, erfordert aber einen zusätzlichen Klickschritt.
Sicherheit und Einlagensicherung: Wie sicher ist Ihr Geld?
Die Frage nach der Sicherheit ist bei Auslandskonten elementar. Da Frankreich Mitglied der EU ist, unterliegt die BforBank den harmonisierten europäischen Richtlinien zur Einlagensicherung. Ihr Vermögen ist über den Fonds de Garantie des Dépôts et de Résolution (FGDR) bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Kunde abgesichert.
Sollte es wider Erwarten zu einer Schieflage der Bank kommen, garantiert dieser Fonds die Entschädigung der Einleger innerhalb weniger Arbeitstage. Da Frankreich über ein exzellentes Länderrating (Aa2/AA) verfügt, gilt diese Absicherung als sehr solide und vergleichbar mit dem deutschen Einlagensicherungsfonds.
Steuerliche Behandlung: Ein wichtiger Hinweis
Ein wesentlicher Unterschied zu deutschen Banken wie der Sparkasse ist der Umgang mit der Abgeltungsteuer. Die BforBank führt keine Steuern automatisch an das deutsche Finanzamt ab. Sie erhalten stattdessen einmal im Jahr eine Bescheinigung über Ihre Zinserträge.
Diese müssen Sie eigenständig in Ihrer Einkommensteuererklärung (Anlage KAP) angeben. Das hat einen Liquiditätsvorteil, da Sie die Zinsen zunächst in voller Höhe behalten und erst später versteuern. Es bedeutet jedoch auch einen zusätzlichen administrativen Aufwand. Ein Freistellungsauftrag kann bei der BforBank nicht hinterlegt werden.
Nutzererfahrungen und Kritikpunkte
In einschlägigen Bewertungsportalen wie Trustpilot schneidet die BforBank mit soliden, aber nicht perfekten Noten ab. Gelobt wird fast durchweg der extrem schnelle und moderne Prozess der Kontoeröffnung per Video-Ident. Die App wird als intuitiv und optisch ansprechend beschrieben.
Kritik gibt es hingegen häufig beim Kundensupport. Da die Bank in Deutschland noch im Aufbau begriffen ist, kann es bei komplexen Anfragen oder Kontoschließungen zu längeren Wartezeiten kommen. Auch die strikte „App-only“-Strategie ist nicht für jeden etwas. Wer seine Bankgeschäfte lieber am großen Bildschirm erledigt, wird bei der BforBank enttäuscht, da es kein klassisches Web-Interface für den Desktop gibt.
BforBank im Vergleich zum Marktumfeld
Vergleicht man die BforBank mit anderen Angeboten, wird deutlich, dass sie vor allem für jene attraktiv ist, die maximale Zinsen suchen und keine Angst vor einer rein digitalen Verwaltung haben. Wer jedoch Angst hat, durch unüberlegtes Handeln in eine finanzielle Schieflage zu geraten, sollte sich generell mit dem Thema Verschuldung auseinandersetzen, wie wir es in unserem Artikel über die Kleinkredit Schuldenfalle thematisieren – auch wenn Tagesgeld natürlich das Gegenteil von Schulden ist, gehört ein gesundes Bewusstsein für Finanzprodukte immer dazu.
Fazit
Die BforBank ist eine spannende Option für moderne Sparer. Die Kombination aus einem sehr hohen Aktionszins und der Sicherheit einer großen französischen Bankgruppe ist ein starkes Argument. Wer bereit ist, die Zinsberechnung nach dem 15-Tage-Prinzip zu beachten und die Steuern selbst in die Hand zu nehmen, findet hier eines der derzeit besten Angebote am Markt.
Für konservative Anleger, die eine rein deutsche Abwicklung inklusive automatischem Steuerabzug bevorzugen, könnte der Aufwand hingegen zu groß sein. Dennoch: Als Beimischung in einer diversifizierten Anlagestrategie ist das Bfor+ Konto ein absoluter Geheimtipp.

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