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Von Verbrechen zu Sozialwohl: Die interessantesten Auktionen der AGRASC

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Letztes Update 20. Februar 2026

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Die interessantesten Auktionen der AGRASC

Haben Sie sich schon einmal gefragt was mit Vermögenswerten passiert, die im Rahmen von Strafverfahren beschlagnahmt werden?

In Deutschland werden derartige Fälle von der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen bzw. der Justizverwertung behandelt. In bekannter deutscher Manier ist dies mit einer Menge Bürokratie und einem relativ unspektakulären Verfahren verbunden. Um der Unterhaltung Willen richten wir unseren Blick in diesem Artikel deshalb nach Frankreich.

Die französische AGRASC (Agence de gestion et de recouvrement des avoirs saisis et confisqués) ist das Pendant zur deutschen Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen. Bei dieser wird den Beschlagnahmungen allerdings ein bisschen „französischer Flair“ verliehen, indem diese häufig auf spektakulären öffentlichen Veranstaltungen versteigert werden.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen die kuriosesten Beschlagnahmungen und Versteigerungen der AGRASC vor.

Die „flüssigen“ Schätze im Rekord-Weinkeller

Im Jahr 2022 versteigerte die Behörde in Dijon eine legendäre Sammlung von Grands Crus. Bei dem Gut handelte es sich um insgesamt über 1.200 Flaschen feinsten Burgunders und Bordeaux-Weinen aus den Kellern von Drogenbaronen und Geldwäschern. Hierbei besonders hilfreich war die Tatsache, dass es zu einer der Spezialitäten der AGRASC gehört, hochwertige Weinsammlungen professionell zu lagern und zu verwerten.

Insgesamt brachte die Auktion rund 1,79 Millionen Euro ein, wobei eine Flasche Romanée-Conti aus dem Jahrgang 2012 für stattliche 21.000 Euro ihren Besitzer wechselte. Wahrlich ein teurer Tropfen. Der Erlös floss in den allgemeinen Staatshaushalt, wurde aber spezifisch zur Finanzierung der Justiz und der Polizei verwendet. Ein Teil ging zudem in die Fonds zur Suchtbekämpfung (MILDECA), da viele der Weine aus Ermittlungen gegen den Drogenhandel stammten.

Von Traktoren über Tierunterbringung

In ländlichen Regionen kommt es regelmäßig zu Beschlagnahmungen von landwirtschaftlichen Maschinen und teuren Traktoren. Allerdings können auch ganze Viehbestände (z.B. Rinderherden) von der AGRASC beschlagnahmt werden, wenn diese mit illegalen Geldern finanziert wurden. Diese werden dann in einer Auffangstation oder bei Partner-Landwirten untergebracht. In einem bekannten Fall aus dem Jahr 2021 wurden über 350 Rinder vorübergehend von einer Einrichtung bei Lyon aufgenommen.

Da die täglichen Kosten für Futter und Tierarzt häufig den Wert der Tiere „auffressen“ würden, ordnet die AGRASC in solchen Fällen meist einen Notverkauf vor dem Urteil an. Die Preise hängen hierbei stark von der Rasse und dem Zustand ab. Bei Massenbeschlagnahmungen, wie dem genannten Beispiel werden die Tiere allerdings oft zu Marktpreisen versteigert. Das bringt pro Tier, je nach Alter und Rasse zwischen 800 € und 2.500 €.

Weil der Verkauf oft vor dem endgültigen Urteil stattfindet, wird der Erlös zunächst auf einem Konto der AGRASC „eingefroren“. Hierbei werden allerdings die Kosten für den Transport, das Futter und die tierärztliche Versorgung während der Beschlagnahmung abgezogen. Wird der Landwirt verurteilt, fällt das restliche Geld an den Staat. Bei einem Freispruch erhält der Landwirt den Erlös, nicht aber die Tiere oder die abgezogenen Kosten zurück. So unfair dies klingen mag, ist es meist besser für die Landwirte, da Tiere in der Zwischenzeit altern oder der Betrieb ohnehin stillgelegt wurde.

Wussten Sie, dass beschlagnahmte Vermögenswerte in Frankreich öffentlich versteigert werden?
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Digitale Beute: Bitcoin unterm Hammer

Wenn Alkohol und lebendige Tiere nicht vor der Beschlagnahmung sicher sind, dann sind digitale Währungen es ganz sicher auch nicht. Tatsächlich war Frankreich eines der ersten Länder, die großflächig Kryptowährungen aus Hackerangriffen versteigerten. Das interessante hierbei? Die Kurse von diesen Währungen schwanken stark.

Im Jahr 2021 wurden 611 Bitcoins versteigert, die von einem Hackerangriff auf die Plattform GateHub stammten. Die Auktion fand zu einem Zeitpunkt statt, als der Kurs gerade ein Rekordhoch erreichte. Das höchste Gebot für ein Paket von 20 BTC lag bei rund 870.000 Euro. Insgesamt nahm der Staat ca. 24 Millionen Euro ein und machte damit sattes Plus. Nach der endgültigen Verurteilung der Täter flossen Teile des Geldes in den Staatshaushalt, während der Rest zur Entschädigung der Opfer genutzt wurde.

Immobilien mit „Charakter“

Widmen wir uns nun wieder Auktionsgegenständen, die man auch anfassen kann – selbst wenn sie wohl kaum in die Aktionshalle passen. Neben Wohnungen verwaltet die AGRASC auch ganze Villen und Schlösser. Ob Prachtbauten an der Côte d’Azur oder historische Châteaus im Hinterland – alles ist möglich. Nicht verwunderlich werden auch hierbei Millionen-Erträge erzielt. Eine Villa in Saint-Tropez wurde für über 5 Millionen Euro verkauft.

Doch was, wenn gerade niemand in der Stimmung für ein neues, kostspieliges Eigenheim ist? Dank eines Gesetzes aus dem Jahr 2021 ist die AGRASC nicht mehr verpflichtet, beschlagnahmte Immobilien zu verkaufen. Stattdessen können diese gemeinnützigen Organisationen (z.B. in Form von Frauenhäusern oder Sozialwohnungen) zur Verfügung gestellt werden. Nicht selten geschieht dies im Sinne der „Wiedergutmachung“. So wurde z.B. die ehemalige Luxuswohnung eines Kriminellen als Schutzwohnung für Opfer von häuslicher Gewalt genutzt.

Fazit

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass kein Gut – ob materiell, digital oder lebendig – vor der AGRASC sicher ist.

Während viele der Fälle unterhaltsam klingen ist es vor allem der anschließende Fluss des Geldes, der dem ganzen einen hoffnungsvollen Unterton gibt. Mit dem Geld, was aus Straftaten gewonnen wird, werden Opfer entschädigt, sowohl Sozialfonds als auch gemeinnützige Organisationen unterstützt und die Staatskasse angereichert.

Die Auktionen der AGRASC sind nicht nur wegen der Objekte spektakulär, sondern auch wegen der Transparenz, mit der die Erlöse wieder in die Gesellschaft zurückfließen.

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